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Biberacher Polizeidirektion auf der Kippe -19.1.12

fBiberacher Polizeidirektion steht auf der Kippe
Die Landesregierung plant offenbar, im Zuge einer Polizeireform größere Einheiten zu bilden

Von Gerd Mägerle

Biberach - Eine Polizeidirektion (PD) mit Sitz in Biberach ist vermutlich schon bald Geschichte, denn die grün-rote Landesregierung plant eine umfassende Strukturreform der Polizei. Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung sind derzeit zwei Varianten in der Diskussion, von denen wohl keine den Erhalt der PD Biberach sichert. Die erste sieht vor, dass ein neues „Super-Polizeipräsidium“ mit Sitz in Tübingen entsteht, das sechs bis sieben Landkreise, darunter auch Biberach, mit dann 2500 Beamten verwalten dürfte. Diese Variante soll aber bereits wieder vom Tisch sein.

Die zweite sieht ein Polizeipräsidium Oberschwaben vor, das neben Biberach die Polizeidirektionen Ravensburg, Bodenseekreis und Sigmaringen umfassen dürfte. Unklar ist noch der Standort des Präsidiums. Hier scheint Ravensburg die besten Karten zu haben: einerseits wegen seiner zentralen Lage in besagtem Gebiet, andererseits weil für die Polizei dort ein neues Domizil gebaut werden soll, das man den neuen Erfordernissen anpassen könnte. Einzelheiten zur Reform will Innenminister Reinhold Gall (SPD) am 25. Januar bekannt geben.

„Interessiert“ warte er auf diese Informationen, sagte der Biberacher Polizeidirektor Hubertus Högerle gestern gegenüber der SZ. Dass die Polizeidirektionen nicht bleiben werden, davon gehe er aus. Wenngleich in Biberach seit 2008 ein Modell entwickelt worden sei, das eine schlanke und leistungsfähige Struktur aufweise. Erst Ende 2011 hatte die Polizeidirektion Biberach mit ihren rund 300 Mitarbeitern dafür in Berlin den Ludwig-Erhard-Preis als Zweitplatzierter im Bereich mittelständischer Unternehmen erhalten. Bescheinigt wurden der PD Biberach seinerzeit Kreativität in der Aufbau- und Ablauforganisation mit weniger Personal, Motor im Kreis anderer gesellschaftlicher Verantwortungsträger und Initiator für neue Produkte und Leistungsangebote.

„Mühevoll erarbeitet“
Die Polizeidirektion, die deckungsgleich für den Landkreis zuständig ist, habe mit dem Landratsamt und kreisweiten Verbänden wie DRK oder Feuerwehr beispielgebende Vernetzungen erarbeitet, so Högerle. „Konzepte für Jugendbuden oder der kommunale Präventionspakt fallen ja nicht einfach so vom Himmel, das haben wir uns mühevoll erarbeitet“, sagt der Biberacher Polizeidirektor, der sich an Spekulationen um die künftige Polizeistruktur nicht beteiligen will. Er stellt aber klar, dass er kein Freund von anonymen Riesenbehörden mit 2500 Mitarbeitern ist. Eine neue Struktur müsse in erster Linie dem Bürger dienen und die strategische Vor-Ort-Kompetenz erhalten.

Die Reform soll nach dem Willen der Landesregierung mehr Präsenz in die Fläche bringen. „Das ist sicher eine Entwicklung, die man längerfristig betrachten und über Neueinstellungen bewerkstelligen muss“, sagt Högerle.

 

Kritisch sieht der Biberacher Landtagsabgeordnete Peter Schneider (CDU) die anstehende Reform. „Die Kreisidentität der Polizei aufzugeben, würde ich sehr hinterfragen.“ Wenn man diese Struktur jetzt aufbreche, sie die polizeiliche Führungsebene viel weiter von den örtlichen Gegebenheiten entfernt. Er verschließe sich nicht einer Polizeireform nicht, so Schneider, sinnvoller sei aber aus seiner Sicht, polizeiliche Spezialaufgaben, wie zum Beispiel Hundestaffeln, an bestimmten Standorten zu bündeln. Er halte den Innenminister aber für so kommunalpolitisch besonnen und erfahren, dass er sicherlich mit sich über das Thema diskutieren lasse, so Schneider: „Darauf setze ich.“

 

COPYRIGHT SCHWÄBISCHE ZEITUNG
Kreis Biberach 19.1.2012

 

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